E-Government

Definition

Warum eine Typologie?

Für die Unterscheidung von E-Government Nutzertypen wurden die befragten Internetnutzer nach ihrem Interesse an E-Government sowie nach ihrer Einstellung zum Medium Internet kategorisiert. Dabei konnten fünf Nutzertypen mittels statistischer Verfahren unterschieden werden: Mobile Government-Pragmatiker (18 Prozent), E-Government-Pragmatiker (17 Prozent), E-Government-Skeptiker (15 Prozent), E-Government-Unkundige (30 Prozent) und E-Government-Desinteressierte (20 Prozent).

Entlang dieser Reihung nimmt das Interesse an bzw. die Erfahrung mit Online-Medien im Allgemeinen und Online-Angeboten der Verwaltung im Besonderen ab. Es zeigt sich, dass Risikobewusstsein und kritische Beurteilung gemeinsam mit Erfahrung im Umgang mit E-Government zunehmen. 

 

Definition

Ausgangspunkt für die Gliederung der Nutzertypen ist das Interesse und die Erfahrung mit dem Medium Internet sowie das Interesse und die Erfahrung mit elektronischen Bürgerdiensten.

Für die "Pragmatiker" sind Risiken und Schwächen bei Online-Angeboten der Verwaltung durchaus ein großes Thema. Der wahrgenommene Nutzen überwiegt diese Bedenken allerdings häufig. Auch wenn das Interesse augenblicklich höher ist als die tatsächliche Nutzung. Mobile Pragmatiker zeichnen sich durch die höchste Online- und Mobile-Affinität aus.

Unkundige interessierten sich für E-Government, haben aber entsprechende Angebote bislang nicht bewusst genutzt. Sie können als Potenzial für zukünftige Nutzung gesehen werden.

Skeptiker hingegen haben bereits aus ihrer Sicht nachteilige Erfahrungen gesammelt und stehen E-Government sehr kritisch gegenüber. Aus ihrer Sicht überwiegen die Risiken den Nutzen.

Desinteressierte haben weder am Internet noch an E-Government großes Interesse. Sie werden schwierig für elektronische Angebote zu überzeugen sein.

 

Mobile Government-Pragmatiker

Typ 1 - Mobile Government-Pragmatiker (18%)

Mobile Government-Pragmatiker sind sehr zufrieden mit dem Online-Angebot der Verwaltung. Daher nutzen bereits 83 Prozent E-Government, und 74 Prozent nutzen die elektronische Steuererklärung ELSTER.

Sie stellen eine überaus Online-affine und –erfahrene Gruppe dar: 97 Prozent nutzen das Internet gerne, 94 Prozent haben Spaß an der Internetnutzung. Entsprechend sind den Mobilen Government-Pragmatikern Risiken im Bereich Datensicherheit und Datenschutz (58 Prozent) bewusst, auch sehen sie im Vergleich mit anderen Online-Angeboten durchaus Nachholbedarf bei Durchgängigkeit (76 Prozent) und Nutzerführung (68 Prozent).

Doch auch bei ihnen überwiegen Vorteile der Online-Angebote diese Bedenken. 33 Prozent planen eine Nutzung von Mobile Government in der Zukunft.

E-Government

  • 96% haben Kenntnisse von Öffnungszeiten und Adressen
  • 83% kennen Zuständigkeiten

  • 88% ist ELSTER ein Begriff, 74% nutzen ELSTER

  • 80% würden ihr Fahrzeug online an-/ab-/ummelden

  • 81% würden An- und Ummeldungen online vornehmen

Einstellungen & Bedenken

  • 93% halten Vertrauen in die Behörden für eine wichtige Voraussetzung für E-Government
  • 66% bezweifeln Sorgfalt im Umgang mit Daten seitens der Behörde

  • 68% sehen Sicherheitsmängel bei der Datenübertragung

Mobile Government

  • 85% verfügen über ein Notebook

  • 72% besitzen ein Smartphone

  • 32% verwenden ein Tablet
  • 65% halten mobile Endgeräte zukünftig für wichtig für die elektronische Abwicklung von Behördengängen 

  • 33% planen die Nutzung von Angeboten

Online-Medien

  • 97% nutzen das Internet gerne
  • 86% erledigen ihre Arbeiten schneller online

Soziodemografika

  • 40% verfügen über einen Hochschulabschluss
  • über 40% leben in einer Großstadt (>100.000 Einwohner)

  • 58% sind 45 Jahre und älter

E-Government-Pragmatiker

Typ 2 - E-Government-Pragmatiker (17%)

E-Government-Pragmatiker sind von den Vorteilen der Online-Bürgerdienste überzeugt: 100 Prozent nutzen bereits E-Government-Angebote, 65 Prozent haben schon die Online-Steuererklärung ELSTER genutzt.

Vorteile und Zufriedenheit mit den aktuellen Angeboten lassen sie auch pragmatisch über ihre Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Mängel bei der Durchgängigkeit der Angebote hinwegsehen.

E-Government-Pragmatiker sind in der digitalen Welt angekommen, sie nutzen zu 85 Prozent gerne das Internet und haben Spaß daran, auch weil sie online viele ihrer privaten und beruflichen Aufgaben schneller erledigen können.

E-Government

  • 52% sind zufrieden mit den Online-Angeboten
  • 76% kennen ELSTER
  • 65% nutzen ELSTER

Einstellungen & Bedenken

  • 52% rechnen mit mangelnder Sorgfalt beim Umgang mit Daten seitens der Behörden

Mobile Government

  • 12% nutzen bereits Mobile Government
  • 31% planen die Nutzung von mobilen Angeboten

Online-Medien

  • 85% nutzen gerne das Internet
  • 83% geben an, dabei Spaß zu haben
  • 78% erledigen Arbeiten schneller online

Soziodemografika

  • 61% sind männlich
  • über 30% verfügen über einen Hochschulabschluss
  • 54% sind zwischen 18 und 44 Jahre alt

E-Government Skeptiker

Typ 4 - E-Government-Skeptiker (15%)

Nur 23 Prozent der E-Government-Skeptiker nutzen heute schon Online-Bürgerdienste. 32 Prozent sagen von sich, dass sie zufrieden mit dem E-Government-Angebot ihrer Verwaltung sind.

Noch skeptischer steht diese Gruppe der mobilen Nutzung von Online-Verwaltungsangeboten gegenüber: Dementsprechend ist die Nutzung mit 1,6 Prozent in dieser Gruppe unterdurchschnittlich. Mit 85 Prozent gibt es in dieser Gruppe auch den höchsten Anteil an Befragten, die nicht vorhaben, Mobile Government zu nutzen.
Ein Grund dafür könnte sein, darin liegen, dass in den Augen der E-Government-Skeptiker die Risiken den Nutzen überwiegen - sie weisen die höchsten Werte der  Risikobewertung im Bereich Datenschutz und Datensicherheit auf.

Gleichzeitig sind die E-Government-Skeptiker in der digitalen Welt grundsätzlich angekommen, sie nutzen zu 91 Prozent gerne das Internet und haben Spaß daran (89 Prozent).

E-Government

  • 23% sind E-Government-Nutzer
  • 71% sehen mangelnde Durchgängigkeit der Angebote als Hindernis an
  • 69% bemängeln Datensicherheit
  • 68% nehmen undurchschaubare Strukturen der Angebote als Problem wahr

Einstellungen & Bedenken

  • 73% haben Bedenken bezüglich mangelnder Sicherheit bei der Datenübertragung
  • 68% fürchten mangelnde Sorgfalt beim Umgang mit Daten seitens der Behörden

Mobile Government

  • 86% bewerten mobile Geräte als unwichtig für E-Government

Online-Medien

  • 91% nutzen gerne das Internet
  • 89% haben Spaß am Internet
  • 80% sind besorgt wegen persönlicher Daten im Netz
  • 74% ziehen ein persönliches Gespräch einem Instant Messaging Dienst vor

Soziodemografika

  • 51% verfügen über ein HH-Einkommen von > 2.250€ im Jahr
  • 61% sind 45 Jahre und älter

E-Government-Unkundige

Typ 3 - E-Government-Unkundige (30%)

E-Government-Unkundige haben bereits zu 84 Prozent Erfahrung mit E-Government-Angeboten gesammelt, sind sich dessen allerdings nicht bewusst, da sie mit den Begrifflichkeiten offenbar nicht vertraut sind. Dennoch sind sie am Online-Angebot der Verwaltung interessiert und wollen dies zukünftig nutzen.

Wichtigste Hindernisse für eine (intensivere) Nutzung waren bislang die undurchschaubare Struktur von Angeboten (71 Prozent) und die unzureichende Hilfestellung (68 Prozent). Nicht nur der PC als Endgerät, auch mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets werden von 65 Prozent dieser Gruppe als zunehmend wichtig für E-Government angesehen. 22 Prozent planen eine Nutzung von mobilen Angeboten der Verwaltung.

E-Government Unkundige nutzen zu nahe 100 Prozent gerne das Internet und machen zu 76 Prozent dabei mehr gute als schlechte Erfahrungen.

E-Government

  • 0% sind sich über E-Government-Nutzung im Klaren

  • 84% haben bereits Angebote genutzt

  • 57% fragen Informationen zu Adressen und Öffnungszeiten nach

  • 34% interessieren sich für Zuständigkeiten

  • 36% interessieren sich für allgemeine Informationen zu Online-Angeboten

  • 65% würden KFZ-Meldungen online vornehmen

Einstellungen & Bedenken

  • 72% fürchten mangelnde Sicherheit bei der Datenübertragung
  • 71% sehen undurchschaubare Strukturen von Online-Angeboten als Nutzungshindernis an

Mobile Government

  • 65% messen mobilen Geräten eine Bedeutung für E-Government bei
  • 61% besitzen ein Smartphone

Online-Medien

  • 98% nutzen das Internet gerne

  • 97% macht es Spaß das Internet zu nutzen

Soziodemografika

  • 42% verfügen über ein HH-Einkommen von > 2.250€ monatlich

  • Mehrheitlich mittlere Bildung

E-Government-Desinteressierte

Typ 5 - E-Government-Desinteressierte (20%)

E-Government-Desinteressierte zeichnen sich durch eine deutlich unterdurchschnittliche E-Government-Nutzung aus: nur 2 Prozent nutzen Online-Bürgerdienste, dagegen kennen 30 Prozent keine E-Government-Angebote.

Wesentlich für das Desinteresse scheint die geringe Nutzenerwartung sowohl gegenüber dem Medium Internet als auch gegenüber Online-Bürgerdiensten zu sein.

Dementsprechend zeigen die E-Government-Desinteressierte auch wenig Bezug zum Internet: Nur 23 Prozent fühlen sich beim Surfen im Internet sicher, nur knapp jeder Zweite gibt an, Spaß an der Internetnutzung zu haben.

E-Government

  • 2% sind E-Government-Nutzer
  • 30% kennen keine E-Government-Angebote
  • 31% würden Kfz-Meldungen online durchführen
  • 44% nehmen undurchschaubare Strukturen der E-Government-Angebote wahr

Einstellungen & Bedenken

  • 62% fürchten mangelnde Sicherheit bei der Datenübertragung

Mobile Government

  • 3% nutzen bereits Mobile Government

  • 8% planen die Nutzung von mobilen Angeboten

Online-Medien

  • 23% fühlen sich im Internet sicher

  • über ein Drittel ist wegen der persönlichen Daten besorgt 

Soziodemografika

  • Mehrheit mit mittlerer Bildung
  • 52% wohnen in einem Ort mit weniger als 50.000 Einwohnern

 

1.000 Interviews in Deutschland

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