E-Partizipation

Definition

Warum eine Typologie?

Um die digitale Kommunikation zwischen Bürgern und Staat effizient und effektiv gestalten zu können, muss man die zukünftigen Nutzer und ihre Interessen identifizieren und verstehen. Unterschiedliche Nutzertypen haben verschiedene Ansprüche und es bedarf einer differenzierten Ansprache, um diese Nutzertypen mithilfe digitaler Angebote erreichen zu können. Auf der Basis von persönlichen Interessen und Internet-Gewohnheiten konnte eine Typologie mit vier zentralen Nutzergruppen von E-Partizipationsangeboten entwickelt werden. Die Charakterisierung der Nutzer sowie die typenspezifischen Interessen geben Aufschlüsse für die Gestaltung von digitalen Angeboten sowie für die Abschätzung der Zielgruppen, die damit erreicht werden können.

Definition

Die Gliederung der Nutzertypen orientiert sich am Interesse und Engagement für das Medium Internet sowie für politische Themen und Entscheidungen.

Ausgehend von Unbeteiligten über Interessierte und Beobachter bis hin zu Engagiertem nehmen diese Merkmale im Wesentlichen in ihrer Bedeutung für die Charakterisierung der Nutzertypen zu.

Eine Ausnahme bildet das Merkmal Internetnutzung und Interesse an dem Medium. Während Interessierte hier noch sehr zurückhaltend im Umgang mit dem Internet sind, können Unbeteiligte als erfahrene Internetnutzer beschrieben werden.

Unbeteiligte

Typ 1 - Unbeteiligte (34%)

Die Unbeteiligten zeigen ein durchschnittliches politisches Interesse. Aktuell gibt jeder Zweite an, keinerlei Interesse an politischen Themen zu haben, 27 Prozent ist es wichtig, an der Politik teilzunehmen - dies sind im Vergleich die niedrigsten Werte. Das Engagement ist derzeit insgesamt sehr gering - offline sind knapp zehn Prozent aktiv, im Netz sind es zwei Prozent.

Diese geringe politische Teilhabe wird auch beim Thema Open Government deutlich: Nur knapp jeder Fünfte kennt diese Angebote und nur 7 Prozent haben bereits Open Government-Angebote genutzt. Diese Zahl wird in absehbarer Zeit nicht wesentlich steigen: Jeder Zweite plant aktuell nicht, diese Services in Zukunft zu nutzen.

Im Internet fühlt sich diese Gruppe wohl: 99 Prozent nutzen gerne das Internet, 97 Prozent macht Internetnutzung Spaß. Allerdings fühlt sich nur weniger als jeder Zweite im Internet sicher.

Digital

  • 2% sind im Internet politisch aktiv

  • 99% nutzen das Internet gerne

  • 97% haben Spaß im Internet

Politik

  • 10% bezeichnen sich als politisch sehr aktiv
  • 2% sind im Internet politisch aktiv
  • 56% haben nicht vor, Open Government-Angebote zu nutzen

Soziodemografika

  • 44% leben in Großstädten mit über 100.000 Einwohnern
  • überwiegend mittleres Bildungsniveau

Interessierte

Typ 2 - Interessierte (25%)

Die Interessierten sind mäßig an politischen Themen interessiert: Rund 30 Prozent verfolgen das politische Geschehen regelmäßig bzw. diskutieren politische Themen in der Freizeit. Aktuell bezeichnet sich jeder Fünfte als politisch sehr aktiv. Das Interesse an digitalen Möglichkeiten ist vorhanden, aber nicht sehr stark ausgeprägt: 18 Prozent sind im Internet politisch aktiv, neue Themen wie Open Government werden von 22 Prozent genutzt. 62 Prozent möchten Open Government zukünftig nicht nutzen.

Trotz des Interesses an Politik kann die Zurückhaltung bei digitalen Angeboten vor allem an den Erfahrungen im Netz liegen, denn der Umgang mit digitalen Medien macht nur knapp jedem zweiten Interessierten Spaß, 73 Prozent fühlen sich im Netz nicht sicher.

Digital

  • 47% nutzen das Internet gerne
  • 25% fühlen sich im Internet sicher

  • 40% Surfen im Internet anstatt in Büchern oder Zeitschriften nach Informationen zu suchen

Politik

  • 20% sind politisch sehr aktiv

  • 60% sind an politischen Themen interessiert

  • 30% E-Government-Nutzer

  • 23% Open Govenment-Nutzer

Beobachter

Typ 3 - Beobachter (26%)

Der Beobachter zeichnet sich durch hohes politisches Interesse aus: Über 80 Prozent halten sich zum aktuellen politischen Geschehen auf dem Laufenden und diskutieren diese Themen auch gerne im privaten Umfeld. Das Interesse an politischen Themen führt bei den Beobachtern jedoch oftmals nicht zu einem politischen Engagement: Derzeit ist ein Drittel politisch sehr aktiv, im Internet lediglich 17 Prozent.

Beim Thema Open Government zeigen die Digitalen Beobachter großes Interesse: 59 Prozent haben vor zukünftig Open Data Portale zu nutzen und 66 Prozent wollen gerne Einblick in die Mittelverwendung und Ausgaben ihrer Verwaltung nehmen. Obwohl über 95 Prozent dieser Gruppe angeben, Spaß am Internet zu haben, fühlen sich nur rund 60 Prozent der Digitalen Beobachter in der digitalen Welt gut aufgehoben.

Digital

  • 18% sind im Internet politisch aktiv

  • 95% nutzen das Internet gerne

Politik

  • 81% verfolgen politische Aktivitäten und öffentliches Geschehen

  • 33% sind politisch sehr aktiv

  • 40% E-Government-Nutzer

  • nur 6% haben nicht vor, Open Government-Angebote zu nutzen

Soziodemografika

  • durchschnittliches Einkommen
  • höheres Bildungsniveau

Engagierte

Typ 4 - Engagierte (15%)

Die Engagierten sind politisch interessiert und engagiert. Knapp 80 Prozent verfolgen das politische Geschehen und 84 Prozent diskutieren politische Themen mit Familie und Bekannten. Gleichzeitig gibt jeder Zweite an, politisch sehr aktiv zu sein - nicht nur offline, sondern auch zu 33 Prozent online.

Das hohe Politikinteresse zeigt sich auch beim Thema Open Government:
82 Prozent der Engagierten haben bereits auf Open Government-Angebote zugegriffen. Während aktuell insbesondere die Online-Kontaktaufnahme zur Verwaltung sowie Open Data-Portale genutzt werden, ist in Zukunft vor allem auch die Online-Beteiligung an politischen Entscheidungen geplant. Ein Großteil der Engagierten ist gerne im digitalen Raum unterwegs - über die Hälfte von ihnen gehen sicher mit dem Medium um.

Digital

  • 98% nutzen gerne das Internet
  • überdurchschnittliche Nutzung mobiles Internet

  • 91% können durch das Internet ihre Arbeit schneller erledigen

Politik

  • 79% halten sich bei politischen Themen auf dem Laufenden

  • 58% E-Government-Nutzer

  • 82% Open Government-Nutzer

  • 14% Mobile Government-Nutzer

Soziodemografika

  • 43% wohnen in Großstädten

  • überdurchschnittliches Bildungsniveau
  • 57% Männer

 

1.000 Interviews in Deutschland

© 2013 Initiative D21, ipima